Was ist eigentlich dieses Yoga und warum zieht es mich an?

Heute möchten wir euch einladen euch die Frage zu stellen was eigentlich Yoga ist und was dies für euch bedeutet. Wir haben dies ebenfalls getan und sind zu diesem Ergebnis gekommen:

Es ist ein bisschen wie die Frage nach dem Sinn des Lebens. Die kann ich für mich auch leider nicht einfach beantworten.

Oder, wie vor einigen Jahren Richard David Precht so schön formulierte: Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Für mich ist Yoga eine Reise. Eine Reise zu mir selbst. Es ist zur Ruhe kommen und Energie tanken. Es ist mein Weg. Mein Weg durchs Leben, mein Weg zu mir, manchmal auch der Weg weg von allen Ablenkungen, weg vom Alltag.

Yoga ist so vieles und lässt sich schwer fassen. Leichter ist es zu formulieren, was Yoga nicht ist. Es ist nicht eine Aneinanderreihung von Asanas. Es ist nicht unbedingt das Leben in einem Ashram. Es ist nicht Sport – wie im Fitnessstudio, Poweryoga. Es bedeutet auch nicht, sich selbst aufzuopfern.

Yoga ist Achtsamkeit. Wie gehe ich mit mir selbst um? Wie begegne ich meinen Mitmenschen? Warum fällt es mir in dieser oder jener Situation so schwer, tolerant zu sein? Was will mir mein Körper mit all seinen kleinen Wehwehchen eigentlich sagen?

Sei achtsam. Atme bewusst, fühle dich selbst. Es klingt so einfach, aber wir leben hier in einer Welt, in der Drogen und Alkohol, Krieg und Intoleranz, Hass und Gewalt gegen alle Geschöpfe zur Tagesordnung gehören.

Das ist doch nicht richtig! Glaube und Macht – die großen Zauberwörter, wenn es darum geht, zu erklären, warum es Kriege gibt. Glaube ist ein hohes Gut. Aber was ich glaube, ist doch egal – es macht mich nicht zu einem besseren oder schlechteren Menschen, wie mein Gott heißt, sondern nur wie ich mich verhalte.

Jede Religion hat ihre interessanten, reizvollen Seiten. Viele ähneln sich sogar sehr, ohne dass sich die Gläubigen darüber bewusst sind, wenn sie behaupten, ihre sei die einzig wahre Religion, ihrer der einzig wahre Gott. Jede Religion auch ist gleich gut, solange sie nicht in Fanatismus mündet.

Gerade gestern Abend beim Satsang sagte Sukadev sinngemäß: Es gibt nur einen Gott, eine höhere Macht. Männlich oder weiblich? Wissen wir nicht. Wie ich ihn, sie oder es nenne, ist egal. Jeder stellt sich seinen Gott anders vor, da kann es doch gar kein Richtig oder Falsch geben, denn – es gibt ja nur den einen! Man kann ja auch hier nicht in den falschen Sivanandasaal gehen, denn es gibt ja nur den einen! Das hat mich sehr berührt und ich würde mir wünschen, dass alle Menschen einfach so denken.

Wenn jeder achtsam mit sich und anderen Menschen, Tieren und Lebewesen umginge, würde es auch kein Machtstreben geben, womit wir die besten Voraussetzungen für eine friedvolle Welt geschaffen hätten.

Es könnte so einfach sein, aber leider können wir das nicht so mühelos erreichen. Aber mache ich die Welt nicht wenigstens ein bisschen besser und friedlicher, wenn ICH achtsam bin? Davon bin ich überzeugt. Yoga hilft mir dabei. Yoga lässt mich auch auf mich selbst achten, mir selbst zuhören. Mein Körper hat seine Ansprüche an mich, so wie ich ja auch meine Ansprüche an meinen Körper habe. Es ist ein Geben und Nehmen. Es rächt sich schnell, seinem Körper nur Leistung abzuverlangen, ohne auf seine Bedürfnisse einzugehen, ohne ihm auch etwas zurück zu geben. Mit Yoga gebe ich nicht nur dem Körper, was er braucht, sondern auch dem Geist.

Meine eigene Yogapraxis zu Hause tut mir gut – ist aber kaum vergleichbar mit einer Woche oder ein paar Tagen hier im Ashram. Das ist nicht Urlaub für Körper und Seele, im Gegenteil. Man verlangt sich selbst viel ab, sehr viel mehr, als man es zu Hause auf der eigenen Yogamatte täte. Aber gleichzeitig bekommt man auch so viel dafür. Einen freien Kopf, einen Körper, der gefordert wird und das Bewusstsein, mit sich selbst im Reinen sein zu können.

Ich glaube, dass dieses Bewusstsein bei vielen Menschen abhanden gekommen ist oder ihnen nie vermittelt wurde. Das ist so traurig, denn ist es nicht existenziell wichtig?

Es wäre doch schön, einfach zu einem beliebigen Menschen hingehen zu können und zu sagen: „Hey, ich sehe, dass es dir nicht gut geht, lass uns doch eine Yogastunde zusammen machen. Vielleicht geht es dir danach ein kleines bisschen besser, das würde mich sehr freuen.“ Warum macht man das nicht? Wahrscheinlich aus Angst. Angst vor Ablehnung. Angst, damit ein Stückchen Verantwortung für einen vielleicht fremden Menschen zu übernehmen. Yoga wäre, diese Angst als solche wahrzunehmen und daran zu wachsen, über sich hinaus zu wachsen, es trotzdem zu tun.

Als ich das erste Mal so richtig mit Yoga in Berührung kam, war ich zu einer sechswöchigen Reha-Maßnahme an der Ostsee. Yoga stand auf meinem Therapieplan, ein oder zweimal die Woche. Ok. Für mich hatte Yoga damals noch nicht viel mehr Bedeutung, als hätte da Nordic Walking oder Wassergymnastik gestanden. Ich hatte keine Ahnung, dass sich diese Stunden zum Highlight der Woche entwickeln würden, dass ich wirklich für mich etwas mitnehmen würde!

Im Nachhinein bin ich sicher, dass die Yogalehrerin bei Yoga Vidya ausgebildet wurde, denn erst hier habe ich ihren Stil wiedergefunden. Alle aus der Gruppe waren total  begeistert von der Yogastunde, und obwohl wir alle zu der Zeit wirklich ziemlich angeschlagen waren, konnten wir diese Zeit sehr genießen. Es flossen plötzlich Tränen und es gab Momente uneingeschränkten Glücks, die wir alle so kaum mehr kannten oder lange nicht erlebt hatten. Das ist Yoga. Und seitdem zieht es mich an, denn ich habe verstanden, dass ich mir selbst auf so einfache Weise so viel Gutes tun kann!

Seitdem begleitet mich dieses Yoga. Nein, auch ich habe leider nicht die Zeit, jeden Tag anderthalb Stunden freizuschaufeln, um eine ausgiebige Yogastunde zu machen. Aber ein oder zweimal in der Woche schon. Für mich ist es kein Leistungssport, und doch freue auch ich mich immer wieder über die kleinen Schritte, die ich vorwärts komme. Ich übe mich vor allem in Geduld – nicht gerade eine meiner Stärken, aber nicht nur für die Yogapraxis, sondern ebenso für den Alltag und das Leben mit anderen ziemlich hilfreich.

Es gibt Situationen, vor denen ich früher weggelaufen wäre. Heute kann ich mich ihnen stellen, weil ich mich selbst viel besser kenne und weiß, wozu ich im Stande bin. Ja, ich wachse regelmäßig über mich hinaus. Ich übernehme Verantwortung für mich und meine Lieben, aber auch für alle anderen Wesen.

Ich fühle mich der Natur näher verbunden, habe einen Sinn für Schönes entwickelt. Was früher vielleicht eine alte vertrocknete Blüte war, ist heute eher ein Wunder der Natur, das in seiner Zartheit nicht zerbricht und schon so sehr den Launen von Mutter Erde standgehalten hat.

Durch Yoga komme ich mir selbst näher. Es fällt mir leichter, mein Herz zu öffnen, Energie aufzunehmen und weiterzugeben. Manchmal hemmt mich die Vorstellung der Unendlichkeit des Kosmos und mir wird bewusst, wie klein ich bin. Und dann wieder fühlt es sich gut an, ein Teil des Ganzen zu sein. Einen und sei es auch noch so kleinen Beitrag zu leisten, dass die Menschen sich besser verstehen, besser aufeinander zugehen können, sich aufeinander einlassen. Manchmal schafft man das sogar schon mit einem Lächeln, wenn der andere gerade nicht damit rechnet.

Yoga erdet mich. Yoga beflügelt mich. Yoga macht mich glücklich. Yoga gibt mir, meinem Geist und meinem Körper, was ich brauche. Yoga lässt mich zufrieden sein im Hier und Jetzt. Yoga ist eine Oase der Ruhe, aber auch der Kraft und Energie. Yoga ist Loslassen. Yoga ist Liebe und Leben.

DAS ist Yoga, und genau darum zieht es mich nicht nur an, sondern ich habe es in mich aufgenommen, es ist ein Teil von mir.

Und nun seid ihr gefragt. Wie seht ihr das Ganze? Stimmt ihr mit uns überein? Was könnte man gegebenenfalls ergänzen?

Om Shanti euer Experience – yoga.spirit. & you Team

Von | 2017-04-13T12:57:28+00:00 April 13th, 2017|Yoga|0 Kommentare

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